Salutogenese und Kohärenzgefühl – „Wie entsteht Gesundheit?“

Aaron Antonowsky war ein israelisch-amerikanischer Soziologe und Professor der Soziologie, der unter anderem in den 1970er Jahren die Anpassungsfähigkeit von Frauen während der Menopause erforschte. Eine Gruppe der Befragten waren Frauen, die 1939 zwischen 16 und 25 Jahre alt waren und sich zu dieser Zeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern befanden. Die Ergebnisse ihrer psychischen und physischen Gesundheitszustände wurden mit einer Kontrollgruppe mit Frauen, die nicht im KZ waren, verglichen. In der Kontrollgruppe gaben 51% an sich nicht in ihrer Gesundheit beeinträchtigt zu fühlen. In der Gruppe mit den Überlebenden waren es 29%. Dies mag im ersten Moment nicht viel erscheinen. Aber wir alle haben im Geschichtsunterricht und in Dokus erfahren unter welchen unmenschlichen Umständen die Menschen in den Konzentrationslagern leben mussten. Unter diesem Aspekt ist es erstaunlich, dass sich fast 1/3 der Befragten sowohl psychisch, als auch physisch gesund gefühlt hat, oder?

Diese Ergebnisse regten Antonowsky dazu an, nach einer Erklärung für die Entstehung von Gesundheit zu suchen. So erstellte er das Modell der Salutogenese  (Salus, lat. = Wohlbefinden, Gedeihen, Glück, Heil; Genese, gr. = Entstehung, Entwicklung – ein Modell, dass sich mit der Entstehung und Entwicklung der Gesundheit auseinandersetzt) und des Kohärenzgefühls. Heißt also auf dieses Beispiel bezogen, dass die Frauen:

1. Ihre Situation verstanden haben mussten,

2. das Gefühl haben mussten, diese Situation im Griff zu haben/meistern zu können und

3. einen Sinn in dieser aussichtslosen Situation gesehen haben.

Aber was für einen Sinn soll man in einer grauenhaften Gefangenschaft im Konzentrationslager sehen? 

Der Sinn wurde nicht in der Situation an sich gesehen, sondern darin diese Situation zu überstehen. Dafür gibt es mehrere Gründe, z.B. um seine Familie wieder zu sehen oder um nachfolgenden Generationen davon erzählen zu können.

Es ist manchmal schwierig einen Sinn in etwas zu sehen, vor allem wenn man am liebsten gleich eine Erklärung für manche Situationen hätte. Manchmal muss man aber einfach darauf vertrauen, dass es irgendwann einen Sinn haben wird. Das soll natürlich nicht heißen, dass man immer alles über sich ergehen lassen sollte. Aber man sollte erstmal nach einem Sinn suchen und wenn er nicht gleich auftaucht, überlegen, ob es nicht sein könnte, dass wir trotzdem etwas aus der Situation mitnehmen können. Dabei geht es eben nicht immer um die positiven Erfahrungen, denn vor allem aus den schlechten können wir viel lernen und uns weiterentwickeln.

Kohärenzgefühl – „Wie entsteht Gesundheit?“

Antonowsky stellt das Kohärenzgefühl ins Zentrum seiner Frage auf die Antwort „Wie entsteht Gesundheit?“. Dieses Kohärenzgefühl (auch Sense of Coherence (SOC) genannt) ist laut ihm „eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass:

1. die Anforderungen des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind und, dass

2. Ressourcen verfügbar sind, die nötig sind um den Anforderungen gerecht zu werden und

3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Investition und Engagement verdienen.“

Je stärker dieses Kohärenzgefühl ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man unausweichliche, alltägliche Situationen (z.B. Stress) gut bzw. besser bewältigen kann.